… nur die Wurst hat zwei

 

Eigentlich gelten 25 Jahre gemeinhin als Grund zum Feiern. Und 30 Jahre erst recht. Bei After Dark und partout wird‘s nun leider ein Leichenschmaus. Die Hefte werden im neuen Jahr eingestellt.
Nun ja, es gibt Gründe. Was wir an den kleinen Stadtmagazinen  schätz(t)en – ein guter Überblick über die regionalen Kultur-Veranstaltungen, Infos zu Bands, Musik, Büchern – gibt‘s alles im Internet, direkt auf‘s Smart-Phone.  Die meisten Leute, die das After Dark/partout gern auf dem Küchentisch liegen haben, um mal zu schauen, was geht, können die Termine heute ohne Lesebrille höchstwahrscheinlich nicht mehr lesen. Und die ganz jungen Leute – Arroganz der Greise – können/wollen gar nicht mehr lesen. That‘s the Zahn of the Zeit.
Manches wird ja Kult wie die Schallplatte oder das Fahrrad ohne alles (neudeutsch „singlespeed“). Wir finden After Dark und partout natürlich total kultig. Aber irgendwie sind sie nicht exklusiv genug. Lediglich die Trauergemeinde ist exklusiv und klein.
Für uns, die wir das After Dark gemacht haben, ist schade, dass wir eine großartige Arbeit verlieren. Es gibt nämlich nichts Schöneres, als ein Produkt herauszugeben, das nicht (mehr) wichtig ist. Plötzlich tun sich ungeahnte Freiräume auf: keine Optimierung, niemand, der ständig in die Redaktion reinquatscht – redaktionelles Schlaraffenland, sagte die kleine Nischenhockerin.
So ähnlich wie das Königreich Bhutan, hoch oben im Himalaya. Bis es von der Tourismus-Industrie entdeckt wurde, war das Bruttonationalglück wichtiger als materieller Reichtum. Denkt nur an das arme Afghanistan, geostrategisch seit Alexander dem Großen bis heute der Burner. In solchen Ländern kann man nicht mehr leben, sterben geht aber gut.
Da wir nun beim Thema sind, möchte ich – wie bei jedem anständigen Leichenschmaus – noch mal an all die Leute erinnern, die das After Dark und partout begleitet/geprägt haben, mit viel Arbeit und Spaß dabei: Andrea, Barbara, Börbel, Dirk, Festus, Isi, Lorenz, Martin, Matthias, Oliver, Pitschie, Roman, Stefan, Stoeck, Susan, Thomas, Theo – Wer fehlt, sei bitte nicht böse. Ich bin ja „erst“ seit 17 Jahren dabei.
Und natürlich möchten wir uns bei allen Kunden,  Veranstaltern, Ausfahrern und gelegentlich mit Rat-und-Tat-zur-Seite-Stehenden bedanken für die lange Strecke, die wir gemeinsam gegangen sind.
Tito und Tarantula sind leider gerade 2017 durch die Lande. Wir müssen uns wohl noch ewas gedulden, bis wir sie wieder live hören. Bleibt „From Dusk till Dawn“ und Youtube, aber live is schöner –  only After Dark …

mit besten Grüßen

Karla Kroll
für das After Dark

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