Buchbesprechungen

Jakobs Mantel

Roman von Eva Weaver, Droemer Verlag, 19,99 Euro

Der Roman spielt in einer Rahmenhandlung im Jahr 2009 in New York und in Deutschland und erzählt die Geschichte von Mika, der mit seiner Mutter und seinem Großvater Jakob 1938 ins Warschauer Ghetto übersiedeln muss. Den Mantel, um den es geht, lässt Jakob sich zu seiner Ernennung als Professor von Nathan, einem wahren Schneiderkünstler anfertigen. Das Besondere an diesem Mantel sind seine vielen kleinen und großen versteckten Taschen.

Die zutiefst grausamen Zustände im Warschauer Ghetto sind bekannt und so überlebt Jakob dort nicht lange. Fortan trägt Mika, obwohl er noch viel zu klein dafür ist, den Mantel, der wie ein Schutzschild für ihn ist. Mika fertigt Puppen für kleine Aufführungen und denkt sich Stücke dafür aus, die er den Kindern im Waisenhaus des Ghettos vorspielt. Eines Tages läuft er dem Soldaten Max über den Weg, der es für eine gute Idee hält, dass Mika seine Puppen auf einer Abendveranstaltung der deutschen Soldaten spielen lassen soll. So kann Mika sich vor der Deportation zu retten. Außerdem soll er Max eine seiner Puppen schenken.


Den großen Bogen spannt Eva Weaver damit, dass viele Jahre später Max‘ Enkelin Mara an die Leidenschaft ihres Großvaters mit einem eigenen Puppentheater anknüpft und die Geschichte von Mika aus der Sicht ihres Großvaters auf die Bühne bringt. Bei einem Gastspiel in Manhattan sieht Mika als alter Mann, eben 2009, ein Plakat und erzählt darauf hin seinem Enkel seinen Teil der Geschichte, die er über so viele Jahre in sich verborgen hatte.


Beklemmend, aber auch sehr warmherzig schildert Eva Weaver die Gemütszustände von Mika im Ghetto, seine Ängste und auch seinen Mut. Genauso beschreibt sie, was Max erlebt und wie verändert er nach dem Krieg seiner Familie begegnet. Und gibt dem Leser damit keine Gelegenheit, sich eindeutig auf eine Seite zu schlagen. So lässt sie am Ende dieses großartigen Romans womöglich einen ratlosen Leser zurück. Trotzdem: absolut lesenswert und begeisternd!

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