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Gefallene Blüten

Kriminalroman von Clementine Skorpil, Argument Verlag, 12 Euro

Die ehrwürdige Dame Ai Ping ist eigentlich schon viel zu alt für Abenteuer. Sie sollte sich lieber vor ihr Haus setzen und der Sonne zusehen, oder zumindest die Kinder der jüngeren Frauen hüten. Aber nein, Dame Ai Ping macht sich von ihrem Dorf aus auf nach Shanghai, um dort ihre Enkelin Pflaumenblüte zu suchen, die der Sohn, Pflaumenblütes Vater, für tot erklärte, weil sie das Heimatdorf entehrt haben soll.


Ja, so war das damals, im Jahre 1926 in Shanghai und auf dem Lande drumherum. Und so trippelt Ai Ping auf ihren schmerzenden Füßen erst mal allein durch die Stadt, nimmt sich immer öfter eine Rikscha, und wird nicht müde, hier und dort nach ihrer Enkelin zu fragen. Das gefällt so einigen Leuten nicht, besonders denen, die mit undurchsichtigen Geschäften ihr Geld machen. Ai Ping stößt schnell auf eine wahre Wand aus Schweigen und Unwahrheiten und setzt letztlich auch ihr Leben aufs Spiel. Diejenigen, die ihr helfen, allen voran der kommunistische und nicht weniger idealistische Student Lou Mang, geraten schneller in Gefahr, als sie denken können, und es zeigt sich wieder einmal, dass der lange Arm der Triaden und sonstiger korrupter Konsorten wirklich bis in die entfernteste Ecke reicht.
In immer kleiner werdenden Schritten, aber beharrlich nähert sich Ai Ping trotzdem der Wahrheit.


Die Auflösung dieses Krimis gerät allerdings in den Hintergrund angesichts der grandiosen Beschreibungen der asiatischen Metropole Shanghai. Der Opiumduft, der die quirlige Stadt durchweht, gemischt mit dem Duft aus Garküchen, ist ebenso nahezu greifbar, wie die Stimmung in den Märkten, Restaurants und Kurtisanenhäusern. Die kleinen Sorgen Ai Pings, die ihren Füßen, ihrer Kleidung und den benachteiligten unter ihren Mitmenschen gelten, tun ein Übriges, um dieses wunderbare Buch nicht vordringlich als Krimi wirken zu lassen, sondern als überbordendes Kaleidoskop einer fremden Kultur in einer vergangen Zeit. Oder sollte das heute auch noch so geschehen können?
Danke, Clemetine Skorpil für dieses Buch!

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