Buchbesprechungen

Die Sünden meiner Väter

Roman von Liz Nugent, Lübbe Verlag, 16 Euro

Oliver Ryan, ein bekannter und international erfolgreicher irischer Kinderbuchautor, prügelt seine Frau  nach mehr als 20 Jahren Ehe so sehr, dass sie ins Koma fällt. So kurz, so schrecklich beginnt dieser Roman, der auch ein Thriller sein könnte. Alle Freunde rätseln, wie das denn kommen konnte. Schließlich ist Oliver als nahezu emotionslos bekannt, führt eine ruhige Ehe mit Alice, die auch seine Kinderbücher illustriert, und ein ruhiges, nahezu langweiliges Leben.

Doch alle Freunde und Bekannte, die sich zu der Tat äußern, zeichnen ein immer mehr verstörendes Bild von Oliver. Angefangen in seiner freudlosen Kindheit im Internat und ohne Familie, über seine mysteriöse Studienzeit, bis hin zu seinem plötzlichen Erfolg als Kinderbuchautor. Eine große Rolle scheint ein spezieller Sommer in den 1970ern zu spielen, in denen Oliver und ein paar Studienkollegen in Frankreich auf einem Weingut halfen. Was sich damals ereignete scheint eine Strahlkraft bis in die Gegenwart zu haben.

Dieses Buch ist der Debütroman der irischen Autorin Liz Nugent und man sollte hoffen, dass in ihr noch vieler solcher großartigen Geschichten schlummern. Sie erfreut ihre Leser mit einer durchdachten, überraschenden Story, in der alle mehr oder weniger Beteiligten mit ihrer eigenen Sichtweise zu Wort kommen. Stück für Stück setzt sich dadurch ein Bild zusammen, dass Oliver Ryan ganz anders zeigen, als er der Öffentlichkeit glauben machen möchte. Es gelingt Liz Nugent sogar, jedem Erzählenden eine kleine Variation in Sprache und Wortwahl zu zugestehen, die deren Unterschiede noch besonders hervorheben. Wie gesagt: großartig und faszinierend!

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