Buchbesprechungen

Das Flüstern des Meeres

Roman von Lucy Atkins,Lübbe Verlag, 19,99 Euro

Der Tod der eigenen Mutter kann einen ganz schön umhauen, auch wenn man nicht so das allerbeste Verhältnis zu ihr hatte. Oder gerade dann, denn so bleibt eine Menge ungesagt und kann niemals nachgeholt werden. Kal geht das so. Und so reicht ein Stapel alter Postkarten, um sie höchst spontan nach Kanada aufbrechen zu lassen. Das ist ganz schön unüberlegt, weil sie ihren 18 Monate alten Sohn Finn dabei hat, zuhause in England niemandem Bescheid gesagt hat und mit dem Flug einen Großteil ihrer Ersparnisse aufbraucht. Und vor allem ist völlig unklar, wen oder was sie in Kanadas Westen mitten im Januar erwartet.
Die Zerissenheit ihrer jungen Protagonistin kann die Journalistin Lucy Atkins in Ihrem Debütroman bestens ausdrücken. Auch in eher ruhigen Passagen, in denen Kal von Susanna, einer vermeintlichen Freundin ihrer Mutter, die sie im Nirgendwo vor der kanadischen Westküste auftreibt, Vergangenes erfahren möchte, steckt immer viel Unruhe. Und die verbreitet nicht immer nur der kleine Finn. Kal verhält sich genauso widersprüchlich, wie Susanna. Je mehr Kal erfahren möchte, umso mehr mauert diese.  Es ist nahezu ein Wunder, dass Kal schließlich doch das frühere Leben ihrer Mutter aufspüren kann und erfährt, dass diese einmal höchst erfolgreiche Walforschung betrieben hat. Ob es ein Happy End gibt? Das ist eigentlich unwichtig. Die vielschichtige Entwicklung der Geschichte ließe jedes Ende zu. Nur eines hofft man am Ende: dass Kal ihren Sohn nicht ewig so unendlich überbehüten wird.

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