Wir werden alle sterben. Alle!

Also, wenn man den Boulevardmedien glauben schenken soll. Allen voran wie immer die große Tageszeitung mit dem zu großen und nervigen Knisterpapier. Nachdem bereits S.A.R.S., Schweinegrippe, Vogelgrippe und anderes Gelöt den Tod der Menschheit bedeuten sollte, ist es nun also Ebola. Nun muss man dazu sagen, dass S.A.R.S. und die Vogelgrippe sicher tragische Todesfälle forderten, dies aber bei weitem nicht so dramatisch wie von den Medien dargestellt. Ebola ist ernst, ansteckend und nicht zu unterschätzen, aber auch hier sollte man die Kraft um den Wirbel darum lieber in humanitäre Hilfe in Afrika stecken. Stattdessen dreht sich die Welt ausschließlich um die in den Europäischen Ländern behandelten Kranken und das ehrlich gesagt extrem niedrige Risiko, dass wir dann ja alle, na ja, wie gesagt sterben werden.
In den USA wähnte man sich wie üblich gleich in großer Gefahr und sofort war die ganze Nation in Panik, als Infizierte im Land waren und es spielten sich in allen Köpfen die jüngst in Hollywood gedrehten Horrorfilme 1:1 ab. Um auf die alljährliche Panik zurückzukommen: Den Vogel schoss nämlich die legendäre Schweinegrippe ab. Diese war schlicht nur die Grippe, die in jenem Jahr im Umlauf war und vergleichsweise harmlos noch dazu. Im Nachhinein betrachtet war das Spektakulärste an ihr, dass sie einen Wikipedia Eintrag bekam.
Verdient haben nur die ganzen Sensationsblätter und die üblichen paar Fernsehsender, bei denen man ja eh getrost vorher das Hirn neben die Schuhe vor die Haustür packen kann. Ach ja, und die Pharmaindustrie natürlich. Das Mittel Tamiflu, damals mit unfassbaren Kosten weltweit und millionenfach hergestellt und eingelagert, hat seit diesem Jahr nachweislich nahezu keine Wirkung. Schlau, wer sich damit eine güldene Nase verdient hat. Man könnte meinen, die ein oder andere Zeitung und die besagte handvoll Sender stecken mit den Jungs unter einer Decke. Aber das überlassen wir mal den ganzen Verschwörungstheoretikern. Die haben wenigstens den ganzen Tag Zeit dafür. Und empfängliches Publikum für tägliche Schreckensmeldungen wächst ja grad reichlich heran.
Den Rest der Verblödung erledigt das Fernsehen der einschlägig Privaten. Dort lernt man bei „Teenie Mütter“, „Durch dick und dünn“, „Shopping Queen“, „Jung und pleite, verzweifelt“, „Frauentausch“, „Verdachtsfälle“, „Betrugsfälle“, “Hilf mir doch!“, „Verklag mich doch!“, „Richterin Barbara Salesch“, „Richter Alexander Hold“, „Mein dunkles Geheimnis“, „Schicksale – und plötzlich ist alles anders!“ (wie dramatisch…) und den anderen ölfzig Gehirn-aus-Soaps wie der Hase im Leben läuft.
The Walking Dead quasi. Alles zur Primetime, so dass man zwischen früh morgens bis abends nur noch drauf achten muss, das Atmen und hin und wieder mal auf den Pott gehen nicht zu vergessen. Noch ein wenig Promi-Tratschsülze drüber, und schon kommt der Geschmack leichter Doofheit zur Geltung. Mehrjährigen Genuss dieser Top Programme kann man dem einen oder der anderen ja mittlerweile schon gut anmerken. Chayenne-Jayden-Chantal-Savannah und Justin-Dustin-Kevin-Tayler ist die steile Karriere jedenfalls bereits in mindestens eine der 5 Wiegen gelegt. Vielleicht ist ja wirklich Chantalismus eine ernst zu nehmende Seuche…
Und wie man die soziale Schere noch mal etwas anschärfen kann, beweisen ja im Moment die Piloten der Lufthansa. Der ein oder andere hat nämlich ehrlich gesagt nicht so viel Verständnis, dass sie die Nation mit Forderungen in Sachen Vorruhestand und Gehalt lahm legen. Man hat im Cockpit wohl Angst, nicht mit 55 in „Ruhestand“ gehen zu können, um dann bei doppelten Bezügen in Südamerika oder sonst wo weiter zu fliegen.
Nix gegen Streikrecht, ohne dass es heute keine 40 Stunden-Woche und in vielen Branchen freie Samstage geben würde. Aber auf die Art und Weise, wie Lufthansa und vor allem auch die Bahn gerade ständig im Wechsel die Nation lahm legen und Pendler wie Reisende tief im Mark treffen, ist alleine deswegen schon der falsche Weg, weil man nicht nur seinen eigenen Kunden, sondern auch sich selber ans Bein pinkelt und den Straßen auch keinen Gefallen tut…

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