Und jährlich grüßt das Wacken-Murmelbums.

Obwohl es zahllose Festivals mit ähnlichen Ausmaßen gibt, sprechen hier oben eine Woche vorher und selbiges hinterher alle nur über das Wacken Open Air, obwohl es ja schon zahlreiche Festivals in ähnlichen Dimensionen gibt.
Erst einige Wochen vorher ausverkauft statt nach einem Tag, scheint der Waggn Tourismus langsam verpufft zu sein. Auch eine Rolle scheint das Wetter zu spielen. Hattrick! 3 Jahre in Folge Matschepampe vom allerfeinsten und schon hört man Sprüche wie: Das gehört doch zum Wacken und ohne Matsch macht das ja kein Spaß. Erstens: Nein. Und zweitens: Nein. Auch wenn sich so einige das ganze Wochenende auf Schlitten, Gummipuppen und sonstigem Gelöt darin suhlen können. In fast allen Jahren gab´s tollsten Sommer und wenn überhaupt einen Schauer oder ein amtliches Gewitter. Und es macht nach 3 Jahren keinen Spaß mehr. Echt nicht. Man lässt es halt über sich ergehen, möchte aber auch gern mal wieder nur auf einem echten Rasen rumfläzen.
Die Veranstalter haben in aufwendige Drainagen auf dem Infield investiert, welche die Plürre direkt in den wenige Kilometer entfernten Nord-Ostsee Kanal leiten. Zusätzlich gibt’s jetzt flotte Bierpipelines, die das Bier quasi direkt in die Gäste pumpen. So karren nicht unzählige LKWs und Trecker die Fässer ran, die zudem noch viel Platz wegnehmen. Auch wurde das Gelände eingeebnet. Hat alles funktioniert, denn das Gelände sah bis zur Öffnung saftig grün aus. Es war dann halt auch einfach ein bisschen Pech, dass der ganz große Guss genau am Donnerstag zur genau dieser Öffnung des Hauptgeländes kam. So verdichteten 100.000 Füße dann in Rekordzeit den Boden und die braune Suppe tat, was sie in den vergangenen Jahren tat. Mit weniger Regen in den Folgetagen kamen dann die Drainagen wieder mehr zum Zuge und das Gelände wurde mehr und mehr zu einem großen braunen wabbeligen Puddinguntergrund, der aber nirgendwo die vorher üblichen Seen produzierte.
Die drei Hauptbühnen hören nun auf neue Namen: Faster, Harder und Louder. Vor allem letztere (die ehemalige Party Stage) hat eine optische Generalüberholung hinter sich und hat endlich (!) ein gutes Sounddesign verpasst bekommen. Bands wie Clawfinger, Turbonegro, Architects, Paradise Lost, Rage, J.B.O. und Katatonia profitierten davon reichlich.
Über 150 Bands auf 8 Bühnen standen wieder zur Auswahl und richtig voll wurde es erwartungsgemäß beim wie immer schlecht gelaunten Marilyn Manson, den Ballerwikingern Amon Amarth mit ihrem Totalabriss, Accept mit Orchester (hier und da mit leichten Längen), den tighten Megadeth, Alice Cooper (unsterblich gut selbst am helllichten Tage!) und Avantasia mitsamt Feuerwerk, wo sich die Massen bis zu den Zeltplätzen stapelten. Selbiges war bei Volbeat zu beobachten, die hier ihre einzige Festival Show in Deutschland spielten. Emperor feierten ihre Auferstehung auch endlich in Wacken und auch Klassiker wie Europe und Status Quo schauten endlich mal im Ort rein.Regelmäßige Gäste wie Subway to Sally, Trivium, Powerwolf, Lacuna Coil, Heaven Shall Burn, Grave Digger und Kreator dürfen irgendwie auch nicht fehlen und werden amtlich mit selteneren Acts wie Apocalyptica, Max & Igor Cavalera und ASP ergänzt.
Unser heimlicher Headliner war aber dieses Jahr die Doppelbühne im Bullhead Circus (welche auch mal neue Namen verpasst bekommen könnte). Nie zuvor habe ich mehr Bands dort gesehen als dieses Jahr. So spielten neben den zahlreichen Metal Battle Bands dort so einige Hochkaräter: Ugly Kid Joe (bei denen das Zelt geschlossen werden musste – O-Ton hinterher von Whitfield Crane: „Uns wurde die Hauptbühne angeboten, aber wir hatten Bock auf das Zelt!“), Annihilator, Napalm Death, Nile, Soilwork, Psychotic Waltz, Sacred Reich, Brujeria, Flotsam and Jetsam, Candlemass, Fates Warning, Tankard, The Dillinger Escape Plan, Mayhem, Wolfbrigade oder Crowbar, von denen mir die Innereien immer noch vibrieren. Und die Boomtown Rats mit Bob Geldorf sieht man auch nicht alle Tage. Die Auswahl geht noch endlos weiter und war quasi ein Festival im Festival. Ganz groß!
Zumal hier der Anteil an getroffenen Freunden seit Jahren am höchsten ist. Denn vielleicht kam es mir nur so vor, aber im Infield der Hauptbühnen war es gefühlt deutlich voller als in der Vergangenheit. Nicht wenige haben übrigens dieses Jahr das neue Cashless Payment genutzt und sich aufladbare Karten besorgt, die das Bezahlen am Tresen deutlich beschleunigen. Doof nur, wenn man ne Menge Bands im Zelt sieht, wo diese Karten nicht akzeptiert werden und am Ende kaum Bares am Mann hat. Kann man mal dran arbeiten.
Lobenswert: Der Erfolg der Wacken Foundation, welche die Metal Szene unterstützt. So spendeten Volbeat einen Teil ihrer Merch Einnahmen und Alice Cooper machte mal eben 10.000$ locker. Hut ab!
Am Ende hat das Line Up dieses Jahr nicht ganz so überzeugt wie in den vergangenen Jahren und es kann auch gerne mal wieder eine Woche Sahara über das Wacken Open Air hereinbrechen, aber in der Summe war´s wieder ein knackiges Wochenende mit ner Menge Spaß, Halligalli und tonnenweise guter Musik. Bands für 2018 stehen auch: In Extremo, Bannkreis, Watain, Amorphis, Sepultura, Nightwish, Running Wild, Arch Enemy, Deserted Fear, Firewind, Knorkator, Doro (war eigentlich schon dieses Jahr bei gefühlt jeder Band als Gast auf der Bühne...), Belphegor, Epica, Dirkschneider.


FOTOS: KAI SWILLUS/BUNTMETALL

mitteilen




Zurück

 
nach oben