Rückblick Summerbreeze Open AIR

Öfter mal was Neues. Das gilt auch für Festivals und so haben wir in diesem Jahr mit dem SUMMERBREEZE OPEN AIR mal wieder eine persönliche Festival-Premiere gefeiert und unseren Festivalhorizont erweitert. Gereizt hat uns das Breeze ja schon seit Jahren, denn sowohl im Headlinerbereich, im Mittelfeld und auch bei den kleinen Acts hatte das Festival seit Jahren immer wieder eine Bombenmischung am Start und so machten wir uns zum ersten Mal auf den Weg ins beschauliche, 700 km entfernte Dinkelsbühl.

Dann das übliche Spiel: Anreisestau, Glasflaschenkontrolle, Campaufbau… und Regen! Letzteres wünscht man sich ja nicht uuunbedingt, wenn man vor hat, die nächsten 4 ½ Tage draußen zu verbringen, aber mit Regenklamotte und dem ersten kühlen Bier in der Hand kann man auch darüber irgendwie hinwegsehen.

Auch wenn wir nicht alle der über 100 Bands einbauen können... Musikalisch startete das Festival für uns mit Blues Pills. Man mag von Retro-Bands ja halten, was man mag, aber das internationale Hippie-Quartett vereint spielend verschiedenste Elemente aus Rock, Blues und Soul und begeistert nicht nur die Progwelt, sondern – wie man anschaulich an der Menge der anwesenden Fans sehen kann – auch viele Metaller. Darauf eine Runde Old school Death Metal bei Unleashed, gefolgt von neuer Schule und den hochtechnischen Decapitated. Arch Enemy haben mit Alissa White-Gluz stimmlich definitiv eine würdige Nachfolgerin für Ex-Sängerin Angela Gossow gefunden, bei den unzähligen „Ausziehen!“-Rufen um uns herum beschleicht einen aber irgendwie das Gefühl, dass es einigen Fans doch nicht unbedingt nur um die Stimme geht.

Während sich der ein oder andere bei Caliban, Equilibrium oder Eluveitie vergnügt, geht‘s von den beiden großen Open Air Stages vorbei an der kleinen Camel Stage (mit vielen kleineren Geheimtipps wie z.B. Hamferð) ab zur großen Zeltbühne (T-Stage) zu The Ocean. Diese waberten mit ihrem verstörenden Tiefsee-Postmetal-Tsunami einfach alles weg. Und dass, obwohl die Band erst Minuten vor dem Gig angekommen ist. Down (mit Phil Anselmo, im Juni gerade mit seinem Solo-Projekt Phil Anselmo & The Illegals zu Gast in Hamburg gewesen) hatten an sich einen guten Abend erwischt, nur Phil hat anscheinend mal wieder das ganze Catering im Backstage ausgesoffen und war ziemlich mit Mikro suchen und rülpsen beschäftigt, bevor Children of Bodom das Gelände beschallern. Dennoch super. Behemoth haben wieder das volle düstere Showprogramm aufgefahren, welchem in der Dunkelheit des frühen Abends auch endlich angemessen Tribut gezollt werden konnte, während es in Wacken dafür ein wenig zu sonnig war.

Bei eben jenen auf der Pain-Stage fielen dann aber doch zum ersten Mal zwei große Mankos des sonst sehr gut organisierten Hauptgeländes auf: Das Areal ist seitlich der Bühnen sehr stark abschüssig, was es vor allem auf der rechten Seite quasi unmöglich macht, sich die Show anzusehen, ohne auf die unzähligen Hinterköpfe der anderen Fans zu starren. Steht man dagegen links von der Bühne, starrt man stattdessen auf eine riesige Tribüne, welche eine beachtliche Schneise durch das Gelände zieht, in der einem der Blick auf die Bühne vollständig verwehrt wird (was einfach vermeidbar wäre, indem man besagte Tribüne auf der rechten Seite platzieren würde). Ein Problem, was wir bei The Haunted im Zelt nicht haben. Bei Testament erleben wir ein kleines Déjà-vu, als Alissa White-Gluz mit einem Gastauftritt die Bühne entert, wobei man hier ein wenig das Gefühl hat, dass sie sich in ihrem Slot vertan hat, denn ihre Show und pathetischen Gesten in Arch Enemy-Manier wirken hier doch irgendwie ein wenig fehl am Platz. Aber gut, das kann man bei dem bombigen, wenn auch nicht 100pro tightem Set von Testament schlicht ignorieren bevor wir im Zelt bei Alcest zu genialen atmosphärischen Sounds in die Nacht schweben.

Der Freitag startet bei uns pink: J.B.O. feiern auf dem Summerbreeze ihr 25-jähriges Bühnenjubiläum und fahren hierfür ein ganz besonderes Programm auf, welches den Spieltrieb der Fans auf die Probe stellen sollte. Neben aufblasbaren Gummiknüppeln wurden unzählige pinke Holi-Farbbeutel verteilt, welche auf Stichwort der Band in den Äther geschickt werden sollten. Dass man von Kindern aber natürlich nicht erwarten kann, dass man ihnen Spielzeug gibt und sie nicht sofort damit spielen wollen, merkt man spätestens dann, als die feiernde Meute (und kurz darauf die ganze Bühne…) schon nach wenigen Sekunden in einem chaotischen, pinken Farb-Massaker versinkt, was der Stimmung aber natürlich einen Abbruch tut. Ganz im Gegenteil. Noch halb in pinken Nebel gehüllt (noch Sonntag begegnet man Leuten mit pinkem Schmodderrest) hat man kurz darauf trotz der Dunkelheit der Zeltbühne das Gefühl, die Sonne ginge auf, als Anneke van Giersbergen die Bühne und das Publikum verzaubert. Nach Ignite, August burns Red und Gamma Ray stehen dann endlich Carcass auf dem Programm und nehmen das Summer Breeze im Sturm und zerlegen das Gelände mit Krachern aus über 25 Jahren Bandgeschichte. Wie bei Behemoth auch hier, anders als in Wacken, eine weise Entscheidung, die Band im Dunkeln bei voller Lightshow spielen zu lassen. Fett!

Nach einem kurzen Abstecher zu einer der unzähligen Autogrammstunden, bei der wir aber nur Devin Townsend und seinen Kapeiken Hallo sagen wollten, ging es nach einer Portion Hypocrisy dann zum Festival-Highlight der meisten Besucher. Die Neo-Trash-Dampfwalze Machine Head auf der Main Stage sollte nicht entäuschen. Im Kampf Regenschauer gegen Feuerwalzen auf der Bühne ging das ganze 1:0 für Machine Head aus. Gerade die zweite Hälfte des Sets der Band aus Oakland war in Sachen Intensität der Ansagen und Musik ganz großes Kino. Während nach dem letzten Song auf dem Gelände die letzten Flitter der Machine Head Kanonen niedergingen, kämpften wir uns bei der Bühne nebenan in die erste Reihe zu unserem persönlichen Highlight: The Devin Townsend Project! Wacken, Köln und Berlin haben wir auf der Tour schon einkassiert und auch beim Breeze gibt’s die volle Packung durchgeknallter Ansagen, bekloppte Videos und eine obertighte Band, welche uns kilometergroße, proggige Hymnen in den Kopf drückt. Und als Bonbon noch mit Anneke van Giersbergen als Unterstützung! Der Sonntag wird bei uns etwas entspannter und so schaut man hier und da bei Tarja, In Extremo und Wintersun vorbei und Obituary machen uns dann das erste Mal so richtig wach. Tampa Death Metal geht halt immer!

Heaven Shall Burn drehen das Gelände wie gewohnt komplett auf links und walzt das Publikum mit Circle Pits und Massen von Croudsurfern ordentlich durch. Immer wieder ein Spektakel! Aber auch die Hardcore Institution Biohazard weiß, wie man das Publikum ordentlich in Stimmung bringt. Nachdem zunächst die Fans vor der Bühne ordentlich durchgerockt wurden, entschied man gegen Ende spontan, ein paar Fans auf die Bühne zu holen. Was als eine handvoll Fans geplant war, eskalierte aber bald zu einer monströsen feiernden Masse, in deren Party die Band fast schon unterging. Mehr Leute auf als vor der Bühne – Croudsurfer AUF der Bühne inklusive.

Insgesamt überzeugt die 17. Ausgabe des Summerbreeze Open Air mit einem gut organisierten Gelände für 35.000 Besucher mitsamt einer sehr entspannten Atmosphäre und nicht zuletzt mit einem extrem abwechslungsreichen Billing, das wirklich allen Ansprüchen gerecht wird. Das Breeze war für uns auf jeden Fall ein würdiger Abschluss der diesjährigen Festivalsaison und hat definitiv Wiederholungspotenzial. Apropos Wiederholung: Für 2015 stehen bereits Powerwolf, Cannibal Corpse, Saltatio Mortis, Dark Tranquility, Pyogenesis, Knorkator, Kataklysm, Ensiferum und Sepultura fest auf dem Plan!

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