November 2015

Wenn Marty Mcfly mit seinem DeLorean wie im Film Zurück in die Zukunft am 21.10.2015 einen Abstecher ins Jetzt und außerplanmäßig nach Neumünster gemacht hätte, er könnte die Stadt kaum noch wieder erkennen.

Gut, so heftig ist es nun nicht und Marty würde so einige andere Orte vorziehen (außerdem hat das Rathaus keine schicke Uhr wie im Hollywoodstreifen), aber meine Heimatstadt kriegt eindeutig die Kurve. Nachdem Veranstaltungen wie die Weinköste eine mehr als erfolgreiche Wiederbelebung erlebt haben, das extrem erfolgreiche Designer Outlet Center (DOC) gerade kräftig vergrößert hat und die üblichen Neufinster Sprüche (gäähn…) langsam aber sicher in der staubigen Kellerschublade verschwinden, tut sich auch optisch was in der City.

Nach jahrelangem Kampf und nie enden wollenden Unkenrufen ist die Holstengalerie (HG) eröffnet worden. Man kann natürlich von großen Konsumtempeln halten was man will, aber das neue Einkaufscenter ist quasi der Defibrillator der Stadt. Während des Baus von vielen schon abgeschrieben, als Flop abgestempelt, bevor die Kiste überhaupt offen war und als hässlicher Schandfleck verschrien. Nun hat die Galerie die Türen geöffnet und tagtäglich platzt der Komplex aus allen Nähten. Die Besucherzahlen übersteigen alle Erwartungen und überall sind überraschte Gesichter, wie schön das ganze doch geworden ist.
Abgesehen davon, dass die knapp 90 Läden das Leben hier ganz schön einfach machen, hat die Stadt wieder einen Dreh- und Angelpunkt, welcher Bahnhof und Innenstadt verbindet. Insofern letztere sich das nicht selber versaut, denn mit zu hohen Mieten und daraus resultierendem Leerstand und noch mehr Handyläden lockt man nämlich keine Leute und Investoren um die Ecke. Bestes Beispiel dafür ist ja die ehemalige Vorzeige-Einkaufsstraße Lütjenstraße. Immerhin verschwindet ja bereits ein Leerstand nach dem anderen und auch ein Karstadt Nachfolger soll gefunden worden sein. Auch was mit „K“ sagen die Gerüchte, aber warten wir mal ab, bevor alles nur Mumpitz ist.

Mumpitz wäre rückblickend auch das damals noch alternativ von der HBB geplante Center auf dem Karstadtgelände gewesen. Bekloppt genug war allein die Tatsache, dass man dafür Teile des Teichs zukippen und betonieren sowie große Teile der Uferanlagen zerstören wollte. Aber seit Karstadt nun bereits viele Jahre an der Insolvenz kratzt und das alternative Center ab der Eröffnung von eben jenen betrieben werden sollte (Die HG wird auch nach dem Bau von der bauenden ECE betrieben), wäre wohl heute nur noch ein übergroßer Haufen Insolvenzmasse aus halbfertigen Beton übrig, den die im Überfluss nervenden Möven bewohnen und vollkacken würden.

Aber was sagte mein Lehrmeister immer: Handel ist Wandel. Und zum Glück waren damals bei der Entscheidung nur wenige am Schlafwandeln und es wurde die richtige Entscheidung getroffen. DOC und HG ziehen kräftig Menschen aus ganz Norddeutschland und sogar Skandinavien in die Stadt. Ein paar falsche Entscheidungen damals hätten Neufinster auf lange Sicht endgültig die Lichter ausgeknippst.

Und selbst die Kneipenkultur ist um ein Highlight reicher, nachdem meine liebste Lokalität – das O‘Murphy‘s – in die ehemaligen Räume vom Fiddler‘s Green in die Christianstraße umgezogen ist. Der neue Irish Pub ist nu nicht nur ein optischer Hingucker, sondern hat am Wochenende mit der Shamrock Bar noch einen üppigen extra Saal mit prall gefülltem Terminkalender inkl. Konzerten, Poetry Slam und fetten Partys am Start. Das noch so als Tipp am Schluss, denn man muss ja mal drauf anstoßen, dass unsere aufstrebende Stadt auf dem Weg zur Weltherrschaft ist. Prost!       

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