Kaum ein Thema kommt im Moment an die ganze Streikerei ran ...

Kaum ein Thema kommt im Moment an die ganze Streikerei ran, die aktuell im ganzen Land die Runde macht. Da vergisst der brave Bürger auch mal glatt, dass im Mittelmeer nach wie vor täglich hunderte Menschen auf der Flucht nach Europa ertrinken oder dass da ja dieses furchtbare Erdbeben in Nepal war, denn auf den Titelseiten gab’s zuletzt fast nur noch ein einziges Gesicht zu sehen. Das, des bald wahrscheinlich berühmt-berüchtigsten Deutschen aller Zeiten. GDL-Chef Claus Weselsky. Da schaukelt’s sich gerade herrlich hoch und besonders im Internet gehen sich Gegner und Befürworter gerade mächtig an die Gurgel. Anonymität kann einigen bekanntlich ja sehr viel Spaß machen. Mal ab davon, dass dreiviertel aller Deutschen gar nicht wirklich verstehen, warum man nun den neunten Streik in Folge an der Backe hat, spielt Mister W. gerade mit dem Ansehen vom Streikrecht und kloppt einen milliardenschweren Bock in die Volkswirtschaft. Denn Streikrecht ist an sich etwas Gutes, strapaziert aber bei nicht wenigen gerade die Nerven bis zum Anschlag, weil man das Gefühl hat, dass 2 bockige Kinder gerade so richtig Laune auf totale Eskalation und Gekloppe haben. Die Bahn und Mister W. halt. Nun ist es auch noch so, dass die Bahn so ziemlich alle Gehaltsforderungen erfüllt hat, die GDL aber Rangier-Lokführer (welche noch weniger verdienen) gleichstellen will und den Anspruch der Vertretung anderer Berufsgruppen wie Zugbegleiter wahren will, hiermit aber mit der anderen, größeren Gewerkschaft EVG aneckt. Völlig verzwickt also. Das „K“ in GDL steht halt für Kompromissbereitschaft. So in etwa gestalten sich dann auch Diskussionen um dieses Thema und auch Sarkasmus ist da natürlich nicht weit: „Erst Walter Ulbricht, jetzt Claus Weselsky - welcher Sachse spaltet Deutschland als nächstes?“ „Diese Schleuser und Schlepperbanden - bieten die eigentlich auch Zugfahrten an?“. Ääh… ja. Jede Autovermietung ernennt  Mister W. jedenfalls zum Mitarbeiter des Monats und ein Reiseunternehmen hat bereits den ersten Bus nach ihm benannt. Den Tipp an die Eltern, die gerade unter den Kita-Streiks leiden, ihre Kinder bedenkenlos im Gleisbett zum spielen zu parken… den schlagen wir dann doch lieber aus. Für diese Streiks haben die meisten übrigens schon eher Verständnis. Lässt man die Gehaltsvergleiche mal weg (die Lokführer verdienen teils das Doppelte wie viele Beschäftigte bei der Post, im Einzelhandel oder anderswo), sollten Angestellte im Sozial- oder Erziehungsdienst einfach mehr verdienen, als sie es jetzt tun und mehr Anerkennung bekommen. Auch sie verdienen oft sicher nicht schlecht, haben aber immer mehr Berge von schlecht oder gar nicht erzogenen Kindern zu bewältigen, können kaum noch den Bildungsauftrag erfüllen und verwalten die Kids nur noch. Denn auch der Papierkram hat sich vervielfacht. Da frag ich mich auch manchmal, wann Mitarbeiter der (Alten-)Pflege streiken. Die gehen nämlich wirklich auf dem Zahnfleisch und kriegen in den kommenden Jahren reichlich Kundschaft, die kaum noch zu bewältigen sein wird. Und man kann sich ja mal das Chaos ausmalen, wenn dieser Berufszweig wirklich organisiert auf die Barrikaden geht und das Land lahm legt. Am Ende sollte man aber wie immer nicht vergessen, dass es uns insgesamt doch sehr gut geht. Auch wenn Züge im Moment in der freien Wildbahn seltener als Wölfe zu beobachten sind und selbst Chuck Norris weinend am Bahnsteig sitzt. Dass man auf der A7 Baustelle im Norden gerade 15 Stunden für 350 Meter braucht oder sich sonst fluchend durch die Botanik bewegt. Motzen bringt schließlich allen zu viel Spaß, seid mal ehrlich...

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