Juni 2017 - Börbels Welt

Aufstehen, aufeinander zugehen und zusammenhalten

Oft gelesen und leider so wahr: Wählen ist wie Zähne putzen. Wenn man es nicht macht, wird’s braun. Einige haben es dann allerdings doch noch geschafft, die AfD unten auf dem Wahlzettel zu finden und den Verein in die Landtage zu hieven. Allerdings wirft man den Verantwortlichen hier wegen der Stimmzettelgestaltung gleich wieder Verschwörung und Betrug vor. Der Zettel wäre „zu geschickt gefaltet“. Wenn jemand allerdings unfähig ist, einen Zettel auseinander zu falten und seine bevorzugte Partei zu finden, ist das kein Wahlbetrug sondern Zeugnis eigener Dummheit und kein links-grün versiffter Origami-Terroranschlag.
Wie dem auch sei, man könnte fast noch eine zweite Seite nur für den Noch-USAner-Präsi machen. Die Amtszeit ist jetzt schon so bizarr, dass man keinem Drehbuchautor von „House of Cards“ solche Stories durchgehen lassen würde, weil’s einfach zu abstrus und absurd ist. Welch beeindruckendes Theaterstück. Wenn er mal nicht beim Golf spielen ist, schmeißt er einfach den FBI Direktor raus, das Weiße Haus dementiert jeglichen Geheimnisverrat an Russland wort- und windungsreich mit Händen und Füßen, während Trump einfach reintritt und sagt: Klar hab ich das gemacht. Ich hab das Recht dazu. Das darf er zwar, klug ist aber anders. Ein anderer, ehemaliger FBI Direktor, hat nun angekündigt, das Ganze unabhängig ohne das Justizministerium zu untersuchen und hat die Befugnis, auch gegen die Regierung zu ermitteln. Die Sprecher blamieren sich unterdessen täglich und versuchen, für den Donald die Kohlen aus dem Feuer zu holen, während dieser aber fleißig ganze LKW Ladungen Kohlebricketts ins Feuer schmeißt und wie ein bockiges Kind darin umherspringt. Nach dem Treffen mit Erdogan verkloppen dessen Bodyguards eine Gruppe von Demonstranten vor der türkischen Botschaft. Reaktion vom Weißen Haus: Nix. Man ist auch mit ganz anderen Sachen beschäftigt. Zum Beispiel damit, beim Sozialprogramm Medicaid den Rotstift anzusetzen. Mit anderen Worten: Man schränkt die Versorgung von kostenloser medizinischer Hilfe und Lebensmittel (Essensmarken) für ärmere Bürger mit geringerem Einkommen ein. So spart man ganz einfach mal 800 Milliarden Dollar. Und ungefähr zehn Millionen US Bürger haben keine medizinische Versorgung mehr. Spätestens jetzt merkt man, was man sich da drüben eingebrockt hat. Wenn es dann noch öffentlichen Rückenwind von so „wichtigen“ Leuten wie der Miss USA gibt, bezahlbare Gesundheitsvorsorge wäre „nicht das Recht eines jeden Amerikaners“, sondern nur für „privilegierte Bürger“, dann weiß man schon, wo die Reise hingeht.
Und wo kann die erste Auslandsreise nur hingehen? Klar. Saudi-Arabien. Waffen und ein bisschen tätscheln für’s Öl. Als allererstes muss natürlich ein Mega-Rüstungsdeal über 110 Milliarden Dollar eingefädelt werden. Mit dem Land, aus dem 15 der 19 Attentäter des 11.09.2001 kommen und nicht auf der Einreiseverbotsliste der USA steht. Die Waffen, die Saudi-Arabien nun kauft, werden unter anderem gegen den Jemen eingesetzt. Was wiederum auf dieser Liste steht. Schon interessant. Und nachdem sich in Manchester nun ein weiterer Irrer nach einem Konzert in die Luft gesprengt hat und vor allem Kinder und Jugendliche in den Tod gerissen hat, fühlt sich das Land, in dem 265 Millionen Pistolen und Gewehre im Umlauf sind, auch wieder vollends bestätigt, eine Reisewarnung für Europa wegen Terrorgefahr herausgegeben zu haben. Dabei ist jetzt erneut vielmehr eines wichtig: Aufstehen, aufeinander zugehen und zusammenhalten. Und: Weiter auf Konzerte gehen!

mitteilen




Zurück

 
nach oben