Februar 2016

Ich verdränge ja auch gerne mal, dass ich älter werde. Oder vielmehr: Ich werd’s einfach nicht. Aber es gibt da eine Sache, die einem schmerzlich zeigt, dass die Welt sich bald für andere Leute dreht. Und zwar wenn sich unsere Helden vom Acker machen.

So sind es nicht nur die Politiker oder Sportler meiner Zeit – wie etwa Richard von Weizsäcker, Helmut Schmidt, Udo Lattek oder Zito – sondern auch Schauspieler, Regisseure oder Schriftsteller, die im letzten Jahr gestorben sind. Leonard Nimoy, Terry Pratchett, Günter Grass, Pierre Brice, Christopher Lee, Omar Sharif, Wes Craven und Henning Mankell sind da nur einige mir sehr bekannte Namen. Auch viele Musiker waren dabei. Percy Sledge, Ben E. King, James Horner, Max Greger und B.B. King zum Beispiel. Aber seit 2 Monaten will sich der Sensemann anscheinend eine All-Star Band zusammenstellen und packt sich dazu ein paar VIPs mit ein. Ich kann’s ihm an sich ja nicht verdenken, aber hier werden jetzt einige tolle Musiker schmerzlich vermisst. So starben in kürzester Zeit nun Scott Weiland (Stone Temple Pilots), Natalie Cole, Glen Frey (Eagles), Dale Griffin (Mott the Hoople), Jimmy Bain (Rainbow, Dio) und weitere, begleitet von Dan Haggerty (Der Mann in den Bergen) und Alan Rickman (u.a. Harry Potter, Galaxy Quest, Dogma). Weltweit für Aufsehen sorgte aber vor allem der Tod vom Ian Fraser „Lemmy“ Kilmister (Motörhead). Die Europa-Tour war gerade vorbei (Hamburg und Berlin waren die letzten Shows). Er hat eisern durchgehalten und für 2016 waren schon unzählige Dates geplant. Dieses Drama wollte ich mir allerdings nicht mehr antun und behielt mir den Fronter lieber so in Erinnerung, wie ich Motörhead Shows vor dem Show-Abbruch in Wacken 2013 erlebte. Allerdings ist er nicht tot von der Bühne gefallen, wie es sich ein paar Schaulustige gewünscht haben. Am 24.12.2015 erlebte er noch seinen 70sten Geburtstag, zwei Tage danach erfuhr er von einer aggressiven Prostatakrebserkrankung und nur zwei Tage später starb er. Zum 40sten Jubiläum der Band. Mit solch einem Timing wird man zur Legende. Aber es geht noch krasser. Nachdem David Bowie – wie auch Lemmy sicher kein Kind von Traurigkeit – 2004 beim Hurricane Open Air in Scheeßel seinen Auftritt mit üblen Schmerzen durchgezogen hat und nach der Show zusammenbrach, rettete man ihm mit einer Not-OP das Leben, denn ein Herzinfarkt stand unmittelbar bevor. Die Welttournee musste abgesagt werden und Bowie trat seitdem nur noch als Gast bei wenigen Kurzauftritten auf die Bühne. Am 08.01.2016 erschien sein neues Album „Blackstar“, am 10.01. starb er an Leberkrebs. Fast schon filmreif. In seinen Videos zum neuen Album überkommt einen der eine oder amdere Schauer, da man nun merkt, dass er in der Nachbetrachtung tatsächlich über seinen eigenen Tod singt. Was bleibt also? Zwei Weltstars und Gentlemen ohne Allüren, die ein klaffendes Loch hinterlassen. Musik für die Ewigkeit. Krebs ist ein Arschloch. Und Lemmy’s unzählige Zitate: „Wenn du nie etwas getan hast, das nicht gut für dich war, dann hattest du ein ziemlich langweiliges Leben. Was solltest du auch gemacht haben? Alles, was Spaß macht, ist gefährlich. Ich würde gerne den Mistkerl finden, der sich das ausgedacht hat.“  

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