Edathy und Co

Direkt nachdem ich den letzten Buchstaben der letzten Ausgabe abgetippert und das Ganze in die Welt gejagt hab, kam die Meldung rein, dass Ex-Abgeordneter Sebastian Edathy zu einer Geldstrafe von 5.000 Euro verurteilt wurde. Völlig zu Recht brach daraufhin in den Medien die Hölle los. Denn dass sich jemand nachweislich kinderpornografisches Material reinzieht, teils auch noch auf Computern des Bundestages, am Ende nicht mal vorbestraft ist und nur die Hälfte eines Monatsgehaltes zahlt, welches bis dato immer noch von uns allen gelöhnt wurde, ist schon ne ordentliche Hausnummer. Aber das Problem ist ja schlicht, dass es keine definierte Grenze zwischen Kinderpornografie und ein paar nackten, fremden Kindern gibt. Und als das gesichtete Material sich dann als halbwegs „legal“ rausstellte, nahm die Posse ihren Lauf. Der härtere Stoff war anscheinend schließlich auf seinem Laptop drauf, welches (anscheinend nach einer Warnung) rein zuuuuufällig direkt vor der Untersuchung von ihm als gestohlen gemeldet wurde. Aussagen, dass es niemandem zu interessieren hat, was er „privat“ so alles tut, ist zudem nichts als ein Eingeständnis. Das die Pfeife während der gesamten Verhandlung und selbst danach nur freche und verhöhnende Kommentare gepaart mit Mitleidsforderungen, weil er es  so schwer hat, von sich gibt, war dann der Gipfel. Die in den sozialen Netzwerken sogleich folgenden Sprüche konnten auch nicht passender sein: „Gut, dass er sich nur Kinderpornos runtergeladen hat und keine Kinofilme, dann würde er jetzt 5 Jahre im Knast sitzen“, „Gut, dass er nur Kinderpornos runtergeladen hat und keine Musik, sonst hätten sie ihn ja richtig drangekriegt…“ Dass Fußballer Marco Reus wegen Fahrens ohne Führerschein zuvor 540.000 Euro abdrücken musste, stellt auch in Sachen Zahlen Ungeübte vor keine schwere Aufgabe. Natürlich geht das übliche schnelle Schreien nach ******* abschneiden viel zu weit, aber dennoch muss die deutsche Justiz hier einfach nachbessern, klarere Regeln schaffen und ein Zeichen setzen. Sonst wird der Gegenwind und die Politikverdrossenheit nicht gerade weniger.
Regeln sollte man übrigens auch mal wieder in Sachen Impfen überlegen. Denn während gerade eine Masernepidemie über Berlin herfällt, bricht auch parallel eine heutzutage übliche „Ich bin dagegen“ Welle in Sachen Impfen aus. So sagen uns unzählige Seiten im Internet, dass Impfen absolut gefährlich ist, noch mehr krank macht und man uns (Achtung!) kleine Nano-Roboter in den Körper spritzt, die von den USA (welche uns ja ohnehin „verwalten“) gesteuert werden. Und auch immer wieder kommt das Argument, damals haben wir das ja auch alle überlebt. Dass man von Masern ne schöne Lungenentzündung bekommen kann oder eine in der Folge auftretende Hirnhautentzündung noch Schlimmeres anrichten kann, ist dabei nicht ganz so wichtig. Aber besagte Seiten sind ja ohnehin mit den Berichten über Chemtrails beschäftigt. Dass das Ganze grad in Berlin so heftig wird (fast 1.000 Fälle 2015) wird na klar gleich auf den Flüchtlingsstrom geschoben. Dass eben diese zwischen Raketen, brennenden Häusern und toten Familienmitgliedern grad was anderes um die Ohren haben als sich impfen zu lassen, geht nicht in jedermanns Kopf rein. Dazu erlebt Berlin gerade einen Hype von Selbstbestimmung und Regeln doof finden, was eben darin endet, dass einige Eltern das Leben von anderen Kids und Babys (welche noch nicht geimpft werden können) in gleichen Arztpraxen, Kindergärten und Schulen gefährden. Und als Erwachsener Masern kriegen ist übrigens auch kein Kindergeburtstag…

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