Dezember 2015

Nein. Die letzten Wochen waren keine gute Zeit für Konzertgänger.
Am 30. Oktober wollte die Band Goodbye to Gravity ihr neues Album mit 500 Fans bei einer Show im Club Colectiv in Bucharest feiern. Bei der von der Band mitgebrachten Pyrotechnik entzündete sich offene, nicht feuerfeste Schallisolierung und es kam zu einer Brandkatastrophe. Es gab keine Notausgänge und so starben bis heute 60 Besucher inklusive 4 der Bandmitglieder direkt oder an den Folgen des Feuers. 151 wurden verletzt. Die im Land übliche Korruption hatte einen großen Anteil daran, dass der Club so abgenommen wurde und nach öffentlichem Druck traten der Rumänische Ministerpräsident und das gesamte Kabinett zurück. Und ich hätte niemals gedacht, dass noch etwas Schlimmeres passieren könnte.
Aber seit dem 13. November hat sich dies geändert. Bei den Terroranschlägen in Paris, bei dem 129 Menschen ihr Leben ließen und über 350 verletzt wurden, traf es auch ganz normale Konzertbesucher. Leute wie Euch und mich, die einfach nur einen schönen Abend haben wollten und ein ausverkauftes Konzert der Band Eagles of Death Metal (welche aber, anders als der Name vermuten lässt, eine Rockband ist) im Pariser Club Le Bataclan besucht haben. 89 verloren hier ihr Leben und Hunderte wurden teils schwer verletzt, als 2 Terroristen den Club stürmten und einfach auf alles und jeden geschossen haben, die verbliebenen Konzertbesucher als Geiseln nahmen und sich bei der Stürmung durch französische Einsatzkräfte in die Luft sprengten. Nun – einige Tage später – gibt es unerträgliche und grausame Geschichten, die Überlebende und Fotos zu berichten haben. Bei der Aufmerksamkeitsspanne vieler von heute, werden aber auch diese furchtbaren Ereignisse bald wieder fast vergessen sein.
Alleine die Entscheidung der ARD, welche einige Tage darauf bekannt gab, Xavier Naidoo als deutschen Teilnehmer für den Eurovision Song Contest antreten zu lassen, schlug auf einmal mehr Wellen als die Geschehnisse Tage zuvor. Und es gab solch einen bundesweiten Druck, dass diese Entscheidung zurückgepfiffen wurde. Nicht wenige waren bei Facebook gerade gleichzeitig dabei, aufeinander loszugehen, weil viele eine französische Flagge im Profilbild hatten und sich die Köppe einschlugen, weil in der Welt schließlich noch viele andere und „größere“ Attentate passieren. Verschwörungstheorien wie immer inklusive.  Gestern fordern alle noch Frieden, heute gehen alle wegen solchen Dingen aufeinander los. Verrückte Welt.
Für mich persönlich hat das Massaker in Paris aber eine besondere Bedeutung: Zum einen sind wir jedes Jahr auf unzähligen Konzerten und können uns sehr gut in diese Situation hineinversetzen, zum anderen habe ich die Eagles of Death Metal live gesehen, ebenso die die Band Deftones, welche sich im Publikum aufhielt und tags drauf im selben Club spielen sollte. Zusätzlich kennen wir noch jemanden, der ebenfalls mit Bands als Merchandise-Verkäufer tourt, bereits auch in diesem Club arbeitete und wenige Tage später mit einer anderen Band in Paris war und seine bedrückenden Eindrücke schilderte. Nick Alexander, der den Merch der Eagles auf Tour managte und auch sein Leben verlor, war einer seiner Freunde. Wenn man jetzt noch die Bilder des Fotografen Manuwino kennt, der nur Minuten vor dem Anschlag Bilder der Show und dem sichtlich Spaß habenden Publikum geschossen (und nun für jeden frei zugänglich machte) vor Augen hat, haben die Opfer ein Gesicht und alles fühlt sich greifbarer an.
Nun haben viele Bands ihre laufenden Touren unterbrochen, verschoben oder abgesagt, die Menschen stellen die Flüchtlingspolitik einmal mehr in Frage und es herrscht in Europa ein generelles Gefühl der Angst, welche einen Keil in unsere Gesellschaft treiben soll. Aber genau das ist es, was jetzt nicht passieren darf, von Terroristen aber gewollt ist. Stattdessen sollte eine „Jetzt erst recht“ Stimmung herrschen. Wir sollten das Leben genießen, zusammenhalten und zeigen, dass wir uns nicht unterkriegen lassen. Und auch wenn Ihr sie wahrscheinlich niemals brauchen werdet: Nehmt euch einen Moment und verinnerlicht die Notausgänge in Clubs…

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